Nouvelle Vague (F 2026, R: Richard Linklater, 106 min)

Liebe Filmkunstfreunde, ja, wir haben gerade erst einen Film gezeigt, aber hier konnten wir einfach nicht widerstehen. Richard Linklaters Film ist eine Liebeserklärung an das Kino, nicht nur das französische, und somit ein passender Film für uns. Es ist user letzter Film unter Jochen Manderbachs Kinoleitung und da ist so eine amüsante, lebendige Hommage an das Kino schon angemessen, wie wir finden.

Nouvelle Vague (F 2026, R: Richard Linaklater, 106 min)

Mit seinen 28 Jahren ist Jean-Luc Godard (Guillaume Marbeck) wie besessen vom Film. Gemacht hat er jedoch noch keinen. Er schreibt vielmehr über die Filme anderer für die Pariser Filmzeitschrift Cahiers du cinéma. Doch der Drang, endlich selbst hinter die Kamera zu treten, wird immer größer. Außerdem haben seine Kollegen, darunter Claude Chabrol (Antoine Besson) und François Truffaut (Adrien Rouyard), längst gefeierte Filmkunst auf die Leinwand gebracht. Also sichert sich Godard die Mitarbeit von Jean-Paul Belmondo (Aubry Dullin) und der amerikanischen Schauspielerin Jean Seberg (Zoey Deutch) und schafft es so, einen Finanzier für sein erstes eigenes Filmprojekt an Land zu ziehen: „Außer Atem“.

Am 16. März 1960 begann eine neue Ära des Kinos! An diesem Tag feierte mit „Außer Atem“ der erste Film von Jean-Luc Godard seine Premiere. Kaum ein Film war so einflussreich wie die auf dem Papier banale Gangstergeschichte, inspiriert vom amerikanischen Film Noir, mit improvisierten Guerilla-Methoden gedreht. Mitten drin zwei junge Stars sowie ein Filmkritiker am Beginn einer großen Regiekarriere, die erst im September 2022 mit Godards Freitod endete.

Nun hat Richard Linklater („Blue Moon“) einen Film über die Entstehung von „Außer Atem“ gedreht, eine Hommage an die Nouvelle Vague, gespickt mit Zitaten, Verweisen und Bezügen, gefilmt in schwarz-weiß und im Format 1:1,37, so wie damals auch bei Godard. Das ist natürlich heftiges Inside Baseball, aber auch wer sich mit Godard nicht auskennt, selbst wer „Außer Atem“ nicht gesehen hat, der könnte durch „Nouvelle Vague“ große Lust bekommen, selbst einen Film zu drehen, Regeln über den Haufen zu werfen, mit Kunst die Welt zu verändern. Vor allem aber ist „Nouvelle Vague“ – ob nun mit Vorkenntnissen oder ohne – einfach unfassbar unterhaltsam.

Fazit: Auch wenn sich ein Film über die Dreharbeiten von Jean-Luc Godards „Außer Atem“ wie harte Cineasten-Kost anhört, gelingt es Richard Linklater in „Nouvelle Vague“, die Entstehung eines der einflussreichsten Filme der Filmgeschichte zu einer Hommage an rebellische Kunst zu machen, die sich nicht um Regeln schert und Neues wagt. Eine würdige Hommage an Godard und einen großen Klassiker des Kinos. Garantiert nicht nur für Insider*innen!

Nouvelle Vague

Donnerstag, den 16.04.2026 um 20:00 Uhr
Sonntag, den 19.04.2026 um 20:00 Uhr –
im Viktoria-Filmtheater in Dahlbruch

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Crime 101 (USA 2025, R: Bart Layton, 139 min)

Davis (Chris Hemsworth) ist ein ebenso brillanter wie unberechenbarer Dieb, dessen waghalsige Raubzüge die Ermittler immer wieder ins Leere laufen lassen. Als er einen letzten, alles entscheidenden Coup vorbereitet, kreuzt die desillusionierte Versicherungsmanagerin Sharon (Halle Berry) seinen Weg. Widerwillig müssen beide zusammenarbeiten, obwohl sie einander kaum trauen. Zugleich tritt Orman (Barry Keoghan) auf den Plan – ein skrupelloser Konkurrent, der keine Grenzen kennt. Während der millionenschwere Raub immer näher rückt, kommt Detective Lt. Lubesnik (Mark Ruffalo) der Spur des Teams gefährlich nahe. Je enger sich das Netz aus Intrigen und Misstrauen zieht, desto deutlicher wird, dass niemand unversehrt aus dem Spiel hervorgehen kann.

Mit „Der Blender – The Imposter“ und „American Animals“ hat Regisseur Bart Layton bereits zweimal eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass man Spannung nicht aus vordergründigen Knalleffekten schöpfen muss. Der Nervenkitzel seiner Filme entsteht vielmehr aus dem genauen Blick auf die Psyche seiner Figuren und aus dem Versuch zu verstehen, warum sie handeln, wie sie handeln. Diesem Ansatz bleibt Layton nun auch in „Crime 101“ konsequent treu. Wer hier also einen krachenden Actionthriller erwartet, in dem eine spektakuläre Verfolgungsjagd die nächste jagt, dürfte zunächst enttäuscht sein. Ungemein packend ist der Film mit seiner stattlichen Laufzeit dennoch.

Tatsächlich sind die Figuren in „Crime 101“ so lebendig geschrieben und charismatisch besetzt, dass man sich gerne auf ihren Alltag einlässt und mit ihnen mitfühlt. Schnell wird dabei deutlich – ganz so, wie es bereits beim großen Vorbild „Heat“ der Fall war –, dass es in dieser Geschichte eigentlich keine klassischen Bösewichte gibt. Stattdessen begegnet man Menschen mit Träumen, Sehnsüchten und Obsessionen, die auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes versuchen, ihr oft einsames Leben irgendwie auf die Reihe zu bekommen.

Fazit: „Crime 101“ besticht durch seine ungemein stilsichere Inszenierung und ist trotz seiner Starbesetzung kein klassischer Heist-Blockbuster, sondern ein entschleunigter, charakterorientierter Thriller, der Los Angeles stimmungsträchtig zelebriert und die Lebensrealitäten seiner Figuren fesselnd ausleuchtet. Wenn es doch zu Action-Einschüben kommt, entfaltet diese in bester „Drive“-Manier eine krachende Wucht.

Wir zeigen:

Crime 101

Sonntag, den 12.04.2026 um 19:30 Uhr
Montag, den 13.04.2026 um 19:30 Uhr –
im Viktoria-Filmtheater in Dahlbruch

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