Nächster Film: Die Blutgräfin
Liebe Filmkunstfreunde,
Sie haben entschieden! Der Wahlsieger heißt „Die Blutgräfin“. Insgesamt haben 15 Mitglieder ihre Stimme abgegeben. Hier das Ergebnis im Detail:
Die Blutgräfin
Moscas – Fliegen und andere Gäste
Chopin – eine Sonate in Paris
7 Stimmen
6 Stimmen
4 Stimmen
Die Blutgräfin (D 2026. R: Ulrike Ottinger, 120 min)

Die Blutgräfin Elizabeth Báthory (Isabelle Huppert) und ihre Zofe Hermine (Birgit Minichmayr) nehmen uns mit auf eine wilde Jagd nach Blut und Geheimnissen aus vergangenen Zeiten. Auf ihrer abenteuerlichen Reise suchen sie verzweifelt nach dem kostbaren Lebenssaft, während sie auch die dunkle Geschichte ihrer Ahnen aufdecken müssen. Doch plötzlich taucht ein mysteriöses Buch auf, das
eine Bedrohung für ihr Vampirreich darstellt. Als sie von ihrem vegetarischen Neffen Baron Rudi Bubi von Strudl zur Buchtelau (Thomas Schubert), seinem Psychotherapeuten Theobald Tandem (Lars Eidinger), zwei Vampirologen und einem hartnäckigen Polizeiinspektor mit seinem Assistenten verfolgt werden, geraten die Dinge außer Kontrolle.
Zwischen drei Dutzend und mehreren hundert Frauen – die überlieferten Zahlen variieren hier erheblich – soll sie gequält und grausam getötet haben. Anschließend badete sie in ihrem Blut, dem sie angeblich eine verjüngende Wirkung attestierte. Das muss man wissen über Erzsébet Báthory, genannt „Die Blutgräfin“, bevor man Ulrike Ottingers gleichnamigen Film schaut.
Wien ist als Ort, an dem Geschichte nahezu überall sicht- und erlebbar ist, der eigentliche Nabel dieser „Schnitzeljagd im Dreivierteltakt“ (so der sprechende Zusatztitel). Der Film inszeniert die Stadt allerdings nicht als Freilichtmuseum, sondern als verspielten Möglichkeitsraum und barocke Wunderkammer. „Die Blutgräfin“ ist randvoll mit kultur- und geistesgeschichtlichen Verweisen – so auf den Schweizer Arzt und Alchemisten Paracelsus (der mit bürgerlichem Namen Theophrastus Bombastus Von Hohenheim hieß) oder den Philosophen Walter Benjamin (die Vampirologen arbeiten an einem Aufsatz namens „Vampire und ihre Identität im Zeitalter der virtuellen Reproduzierbarkeit“). Zugleich ist der Film aber geprägt von einer großen Lust an der Albernheit: Der Humor speist sich aus spezifisch Wienerischer Idiomatik, schreckt aber auch vor Kalauern nicht zurück – und die meisten Mitglieder des Ensembles üben sich, analog zu ihren mit sichtbarem Genuss ausgesprochenen Rollennamen, in v ergnüglichem Chargieren. Bezeichnenderweise ist es ausgerechnet Lars Eidinger, der normalerweise keine Gelegenheit scheut, sich als Rampensau ins Zentrum zu spielen, der dem Film als Therapeut Theobald Tandem einen Hauch von Bodenhaftung verleiht.
Fazit: Nachdem er fast 30 Jahre lang in der Entwicklung war, ist „Die Blutgräfin“ nun der womöglich beste Spielfilm von Regisseurin Ulrike Ottinger – und definitiv der lustigste.
Die Blutgräfin
Samstag, den 14.11.2026 um 20:15 Uhr
im Viktoria Kino in Dahlbruch
Großer Saal
Film ab!
Jens Mankel Stefanie Ehmke Ilka Henssen


