Nächster Film: Couscous und Geheimnisse

Mit dem nächsten Film der Filmkunstfreunde (nach The Piano Tuner) wird es kulinarisch:

Couscous und Geheimnisse (FR 2025, R: Amine Adjina, 105 min)

Der junge algerische Koch Mehdi (Younès Boucif) führt ein Doppelleben – nicht so aufregend wie ein Agent, aber doch nicht ohne Stress: Während er nämlich tagsüber gemeinsam mit seiner Partnerin Léa (Clara Bretheau) als Koch in einem Bistro arbeitet, spielt er abends vor seiner algerischen Mutter Fatima (Malika
Zerrouki) den perfekten Sohn und verbirgt vor ihr nicht nur seine Beziehung zu Léa, sondern auch seine Leidenschaft für die französische Kochkultur. Zunächst scheint das zu funktionieren, doch Mehdi hat die Rechnung eben ohne Léa gemacht, die irgendwann endlich mal seine Mutter kennenlernen will. Mehdi
sucht händeringend nach einer Lösung und richtet damit nur mehr Chaos an…

Als Komödie der Irrungen lebt Couscous und Geheimnisse insbesondere von sympathischen, spleenigen Figuren und von absurden Situationen, in denen sich Mehdi in den selbst gestrickten Lügengeflechten allmählich zu verheddern droht. Dank des Charmes des Hauptdarstellers Younès Boucif fällt es leicht,
dem Helden diverse Kurzschluss- und Fehlentscheidungen zu verzeihen und sich auf das erzeugte Chaos einzulassen. Auch Hiam Abbass, die in Werken wie
Lemon Tree eher in ernsten Parts agierte, darf hier ihre humorvolle Seite präsentieren – und macht das mit schöner Spielfreude.

Bei aller Leichtigkeit und Versöhnlichkeit behandelt der Film indes auch komplexe Themen. „Wo ist Algerien?“, heißt es in einer Szene. Die Frage zielt nicht auf die geografische Lage des Landes ab, sondern darauf, dass Mehdi seine algerischen Wurzeln aus seiner Kochkunst und aus seinem Umfeld im Bistro offenbar gänzlich fernhält. So setzt sich das Skript, das Adjina zusammen mit Fabien Gorgart geschrieben hat, auch mit Identität auseinander – und wie Migrant:innen der zweiten Generation ihren individuellen Weg finden müssen. Spannend ist zudem das Verhältnis zwischen Mehdi und dessen (echter) Mutter, das die Frage aufwirft, welche Verantwortung ein Elternteil seinem Kind zumuten sollte (und umgekehrt).

Fazit: Zwischen solchen Augenblicken der Konfrontation und turbulenten Comedy-Einlagen gelingt Couscous und Geheimnisse eine gute Balance.

Couscous und Geheimnisse

Freitag, den 18.09.2026 um 19:30 Uhr

Großer Theatersaal
im Viktoria-Kino in Dahlbruch

Filme

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Sieger der Filmwahl: The Piano Tuner

Liebe Filmkunstfreunde! Die aktuelle Filmwahl ist entschieden, und wir haben auch schon einen Termin für den Sieger. Es ist…

The Piano Tuner (USA 2025, R: Daniel Roher, 109 min)

Niki White (Leo Woodall) ist ein junger und außergewöhnlich begabter Klavierstimmer, der in New York City lebt. Mit einer nachhaltigen musikalischen Karriere ist es bei Niki jedoch nichts geworden, doch sein enorm sensibles und feinsinniges Gehör macht ihn zu einem begehrten Mann – nicht nur in der Musik, sondern auch in der Unterwelt. Denn Niki kann nicht nur gut mit Tönen, sondern auch mit Safes – also genau genommen mit dem Klacken des Schlosses im Safe, wenn man am Zahlenrad dreht. Während er so immer wieder zwischen legaler Arbeit und gefährlichen Aufträgen hin- und hergerissen ist, verliebt er sich auch noch in eine junge Kompositionsstudentin.

Für „Navalny“, einem Film über den vergifteten russischen Oppositionsführer, gewann Daniel Roher 2023 sogar einen Oscar. Mit der romantisch angehauchten Thriller-Komödie „The Piano Tuner“ liefert der kanadische Doku-Spezialist nun sein Debüt als Spielfilm-Regisseur – und schlägt dabei ganz andere Töne an. Zwar wirkt das Drehbuch, das Roher gemeinsam mit dem „Ein (un)möglicher Härtefall“-Autor Robert Ramsay verfasst hat, gelegentlich ein wenig überfrachtet aber insgesamt überwiegen der Charme und die vielen kleinen Momente, die uns immer wieder emotional mitreißen. In der Titelrolle begeistert Shooting-Star Leo Woodall („Nürnberg“), der dabei von einem exzellent gecasteten Ensemble um den ebenso verletzlich wie amüsant auftretenden Hollywood-Veteranen Dustin Hoffman („Rain Man“) unterstützt wird.

Allen voran liefert Leo Woodall ein sehr überzeugendes, emotional stimmiges Debüt als alleiniger Hauptdarsteller eines Kinofilms. Es dauert nicht lange und wir beginnen, mit ihm zu fühlen und zusammenzuschrecken, wenn irgendwo auf der von Oscargewinner Johnnie Burn („The Zone Of Interest“) sehr effektiv designten Tonspur laute oder dissonante Geräusche erschallen – was immer wieder passiert und uns gedanklich auf Trab hält.


Fazit: Ein exzellenter Cast um „The White Lotus“-Star Leo Woodall und die Leinwandlegende Dustin Hoffman zieht uns tief hinein in diesen ebenso originellen wie emotionalen Mix aus Neo-Noir-Thriller, Charakterkomödie und Liebesdrama.

The Piano Tuner

Freitag, den 21.08.2026 um 19:30 Uhr
im Viktoria-Kino in Dahlbruch